Bischof Otto wurde auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin im Chor der Michaelskirche begraben. Die um 1440 aus Sandstein gefertigte Deckplatte zeigt den jugendlichen Otto, lächelnd und mit starker Ausstrahlung. Der schmale Durchschlupf im Sarkophag ermöglicht Wallfahrern so den Reliquien des Heiligen Otto möglichst nahe zu kommen und verspricht, von Rückenleiden zu heilen.
Altehrwürdig
Die Klosterkirche St. Michael
Das Gotteshaus auf dem Michaelsberg ist zentraler Teil der bewegten Geschichte des Klosters und der Immunität. Die verschiedenen Bauteile der Kirche lassen sich Ihrer Entstehungszeit eindeutig zuordnen. Die Ältesten wie Vorchor, Querhaus und Chor entstammen dem 12. Jahrhundert, während die vorgeblendete Barockfassade 1700 entstand. Ihre prunkvolle Ausstattung und der bekannte "Himmelsgarten" sowie ihr Bezug zum heiligen Otto sorgen für eine überregionale Bekanntheit. Für die Bamberger Bevölkerung gilt sie heutzutage als die Hochzeitskirche schlechthin.
Seit dem Bekanntwerden der Einsturzgefahr dieses einmaligen Bauwerks im Jahr 2012 ist ein Besuch bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten für Besucher:innen nicht möglich.
Ausstattung
Das Grab des Heiligen Otto
Die Orgel
Die Kanzel
Die Altäre
Die Epitaphe
Das Heilige Grab
Der Totenspiegel
Geläute
Bis ins Jahr 1610 gab es in St. Michael insgesamt elf Glocken, die jedoch bei einem verheerenden Brand vernichtet wurden. Nur teilweise wurden diese anschließend wieder hergestellt. Über das mittelalterliche Geläut ist wenig bekannt, doch bereits Vorgängerglocken waren den Heiligen Michael, Benedikt und Otto geweiht und mit deren Bildnissen versehen. Die aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammenden Bestandsglocken St. Kunigunde und St. Heinrich befinden sich im Dachreiter über der Vierung. Die 2024 gegossenen Glocken füllen die historische Lücke der im Brand von 1610 verlorenen Instrumente und wurden mit dem Ziel geschaffen, die wertvollen Bestandsglocken des 17. Jh. zu schonen. Diese sollen nur noch zu besonderen Anlässen zu hören sein, sodass sich auch zukünftige Generationen über viele Jahrhunderte an ihrer prächtigen Klangfarbe erfreuen können.
Bestandsglocken
| St. Michael | e´ | 1614 | 3420 kg | Südturm |
| St. Benedikt | es´ | 1613 | 2072 kg | Südturm |
| St. Otto | f´ | 1614 | 1280 kg | Südturm |
| St. Heinrich | fis´´´ | 1794 | ca. 150 kg | Vierungsturm |
| St. Kunigunde | gis´´´ | 1789 | ca. 100 kg | Vierungsturm |
Glockenguss 2024
| St. Gabriel | g‘ + 2 | 2024 | 1050 kg | Nordturm |
| St. Raphael | c‘‘ + 2 | 2024 | 473 kg | Nordturm |
| St. Maria | d‘‘ + 2 | 2024 | 323 kg | Nordturm |
| St. Elisabeth | e‘‘ + 2 | 2024 | 231 kg | Nordturm |
| St. Katharina | f‘‘ + 2 | 2024 | 205 kg | Nordturm |
| Silberglocke | g‘‘ + 3 | 2024 | 142 kg | Nordturm |
Der Himmelsgarten
Berühmt ist die Kirche St. Michael vor allem für das barocke Deckengewölbe mit seinem einmaligen „Himmelsgarten“, das 1617 von bis heute unbekannten Malern vollendet wurde. Das bewundernswerte Kunstwerk aus über 580 exakten Abbildungen von Heil-, Nutz- und Zierpflanzen zeigt neben einheimischen Gewächsen so exotische Pflanzen wie Ananas, Baumwolle oder Granatapfel. Aus dieser Zeit ist kein weiteres Kunstwerk jener Art bekannt, das die Eigenheiten jeder Pflanze so genau berücksichtigt und eine solch hohe botanische Vielfalt aufweist.
Das Deckengemälde wurde einige Male mehr oder weniger aufwändig restauriert: Vor dem Jubiläumsjahr des Heiligen Otto 1889 gab es die Überlegung, dessen Lebenszyklen in großen Wandgemälden darzustellen und das Gewölbe mit einem damit korrespondierenden Sternenhimmel zu gestalten. Glücklicherweise wurde diese Planung nicht realisiert, sondern Reinigungs- und Ausbesserungsarbeiten durchgeführt. Auch 1924 und 1952 fanden Restaurierungsarbeiten statt. Die ausführenden Arbeiter jeder Restaurierungsphase haben sich über die Jahre namentlich rund um einzelne Pflanzen verewigt.
Auch bei der aktuell laufenden Generalsanierungsmaßnahme von Abteikirche und Klosteranlage spielt der Himmelsgarten natürlich eine zentrale Rolle in der Kirchen- aber auch der Gartengestaltung.